Bedrängnis

Die Fenster entlassen den Blick auf den glitzernd geregneten Fluss. Ich kann doch nicht schlafen, weil mir der müde Hunger grausam hinter den Augen sitzt. Die hellen Nachtlichter scheinen durch die Lider hindurch, bis man die Geschichten von morgen erzählt, als wären sie schon passiert. Meine Schwester sagt, das ist der richtige Zeitpunkt, aber das gilt nur für geradlinige Menschen.

Trotzdem fällt der Regen nass und kalt und unnahbar auf die satten Wiesen herab. Draußen ist noch Kraft, während drinnen die Luft steht wie vor einem Bombenangriff.

Hier sind Fremde. Vor allem im Kopf flüstern tausend Stimmen bedrohlich murmelnde Flüssigkeiten. Ich habe Durst.

Es ist seltsam erleichternd, nicht zu wissen, wann die Schwere der Augenlider einen erlöst. Eigentlich soll es freudig sein, hier zu stehen ohne Zweifel, ohne Pflicht. Aber die Zweige wachsen langsam.

Dabei tropft der Wasserhahn leise stetig, bis es sich anfühlt, als wolle er mich foltern, der eisige Kamerad. Macht dem Regen Konkurrenz, es tönt von allen Seiten, viel zu gierig, viel zu grell. Wie die ersten Sonnenstrahlen, die gähnend durch die Gardinen spähen.
Warum hast du mir das nicht gesagt?

Die Realität trifft einen langsam. Schwindelig wird mir, wenn ich hier nach unten blicke auf die halb verblühten Rosensträucher. Der Boden ist verstaubt gemustert. Ist das, was ich befürchtet habe? Verlässt mich nun die Tapferkeit?

Wer klopft da an der Tür, obwohl die Welt schläft außer mir?

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